Das Angebot richtet sich insbesondere an Menschen, die kurzfristig medizinischen Rat benötigen, keinen zeitnahen Arzttermin erhalten oder Schwierigkeiten mit digitalen Anwendungen haben. Die Apotheke übernimmt dabei eine unterstützende Rolle: Das Apothekenteam hilft bei der technischen Vorbereitung, erklärt den Ablauf und kann vorab einschätzen, ob eine Videosprechstunde für das jeweilige Anliegen geeignet ist.
Die Akzeptanz scheint insgesamt positiv zu sein, befindet sich aber noch im Aufbau. Für viele Patientinnen und Patienten ist das Angebot neu. Auch Apotheken müssen zunächst praktische Erfahrungen sammeln und die assistierte Telemedizin in ihre bestehenden Arbeitsabläufe integrieren.
Wie funktioniert eine Videosprechstunde in der Apotheke?
Bei der assistierten Telemedizin findet die ärztliche Beratung nicht am heimischen Computer, sondern direkt in der Apotheke statt. Dafür steht idealerweise ein separater, vertraulicher Raum zur Verfügung. Alternativ kann eine schallgedämmte Akustikkabine eingesetzt werden.
Die Patientin oder der Patient nimmt dort an einer Videosprechstunde mit einer Ärztin oder einem Arzt teil. Das Apothekenteam unterstützt bei Bedarf bei der Anmeldung, beim Aufbau der Technik und bei organisatorischen Fragen. Je nach Ausgestaltung kann vor der Videosprechstunde außerdem ein strukturiertes Ersteinschätzungsverfahren durchgeführt werden. Dieses hilft dabei zu klären, ob eine telemedizinische Beratung im konkreten Fall geeignet ist.
Wichtig ist die klare Aufgabenverteilung: Die ärztliche Diagnose und Behandlung erfolgen durch die zugeschaltete Ärztin oder den zugeschalteten Arzt. Die Apotheke stellt die Infrastruktur bereit und begleitet die Patientinnen und Patienten während des Prozesses.
Nach der Videosprechstunde kann – sofern medizinisch notwendig und rechtlich möglich – ein Rezept ausgestellt werden. Dieses kann anschließend direkt in der Apotheke eingelöst werden. Dadurch lassen sich Beratung, ärztliche Einschätzung und Versorgung mit Arzneimitteln miteinander verbinden.
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Welche Vorteile bietet assistierte Telemedizin Apotheken?
Eine zusätzliche Serviceleistung
Für Apotheken eröffnet die assistierte Telemedizin eine neue Möglichkeit, ihre Kundinnen und Kunden zu unterstützen. Sie ergänzt die klassische Arzneimittelberatung um einen digitalen Zugang zu ärztlicher Versorgung.
Gerade bei akuten, aber nicht zwingend lebensbedrohlichen Beschwerden kann die Videosprechstunde eine sinnvolle Ergänzung sein. Die Apotheke wird damit zu einem noch stärker vernetzten Anlaufpunkt im Gesundheitssystem.
Bessere Versorgung in ländlichen Regionen
In ländlichen Gebieten sind Arztpraxen teilweise schwer erreichbar oder Termine nur mit längeren Wartezeiten verfügbar. Eine Videosprechstunde in der örtlichen Apotheke kann hier eine niedrigschwellige Alternative bieten.
Patientinnen und Patienten müssen nicht zwingend weitere Wege zurücklegen, um ärztlichen Rat einzuholen. Das kann insbesondere für ältere Menschen, Personen ohne eigenes Auto oder Menschen mit eingeschränkter Mobilität hilfreich sein.
Unterstützung für weniger technikaffine Menschen
Nicht alle Menschen fühlen sich sicher im Umgang mit Smartphone, Computer oder digitalen Gesundheitsanwendungen. Eine Videosprechstunde von zu Hause kann deshalb eine Hürde darstellen.
In der Apotheke erhalten Patientinnen und Patienten persönliche Unterstützung. Das Apothekenteam kann die Verbindung herstellen, die notwendigen Schritte erklären und bei technischen Problemen helfen. Dadurch wird Telemedizin auch für Menschen zugänglich, die digitale Angebote bislang eher meiden.
Mehr Privatsphäre durch geschützte Räume
Gesundheitliche Fragen sind häufig sensibel. Deshalb ist es entscheidend, dass Videosprechstunden nicht im offenen Verkaufsraum stattfinden. Separate Beratungsräume oder schallisolierte Kabinen schaffen eine geschützte Umgebung für das Gespräch.
Eine vertrauliche Atmosphäre kann dazu beitragen, dass Patientinnen und Patienten Beschwerden offen ansprechen. Gleichzeitig müssen Apotheken auf Datenschutz, sichere Technik und eine angemessene Raumgestaltung achten.
Direkte Versorgung mit Arzneimitteln
Ein weiterer Vorteil besteht darin, dass ein nach der Videosprechstunde ausgestelltes Rezept direkt in der Apotheke eingelöst werden kann. Für Patientinnen und Patienten kann dadurch ein zusätzlicher Weg entfallen.
Die Verbindung von digitalem Arztkontakt und persönlicher Arzneimittelversorgung kann außerdem die Therapiesicherheit stärken. Das Apothekenteam bleibt als Ansprechpartner vor Ort und kann beispielsweise Hinweise zur Anwendung, Dosierung oder möglichen Wechselwirkungen geben.
Assistierte Telemedizin in Apotheken ab 2026: Vorteile und Herausforderungen
Welche Herausforderungen gibt es?
Trotz der Vorteile ist die Einführung der assistierten Telemedizin mit Aufwand verbunden. Zunächst entstehen Investitionskosten für geeignete Räume, Akustikkabinen, Computer, Kameras und gegebenenfalls weitere medizinische Geräte. Hinzu kommen laufende Kosten für Wartung, Software und Schulungen.
Auch die Integration in den Apothekenalltag ist eine Herausforderung. Das Personal muss ausreichend Zeit für technische Unterstützung, Ersteinschätzung und Organisation einplanen. Besonders in stark frequentierten Apotheken kann es schwierig sein, kurzfristig einen vertraulichen Raum bereitzustellen.
Darüber hinaus müssen Zuständigkeiten und Abläufe eindeutig geregelt sein. Dazu gehören Fragen des Datenschutzes, der Dokumentation, der Terminorganisation und der Kommunikation zwischen Apotheke und Arztpraxis.
Nicht zuletzt muss sich das Angebot erst bei den Patientinnen und Patienten etablieren. Viele Menschen wissen möglicherweise noch nicht, dass eine Videosprechstunde in der Apotheke möglich ist. Eine verständliche Information und eine aktive, aber unaufdringliche Beratung können deshalb entscheidend sein.
Fazit: Die Apotheke als digitaler Zugang zur Versorgung
Die assistierte Telemedizin kann die Gesundheitsversorgung in Deutschland sinnvoll ergänzen. Sie verbindet die persönliche Nähe der Apotheke mit den Möglichkeiten der digitalen ärztlichen Beratung.
Besonders profitieren könnten Menschen in ländlichen Regionen, ältere Personen und Patientinnen und Patienten, die Unterstützung bei digitalen Anwendungen benötigen. Gleichzeitig bleibt die Einführung anspruchsvoll: Technik, Datenschutz, Investitionskosten und neue Arbeitsabläufe müssen zuverlässig zusammenspielen.
Der DAV bewertet die assistierte Telemedizin als sinnvolle Ergänzung der Versorgung und geht davon aus, dass viele Apotheken das Angebot schrittweise einführen werden. [1] Entscheidend für den langfristigen Erfolg wird sein, ob die Leistung im Alltag gut funktioniert und von den Patientinnen und Patienten als hilfreich, sicher und vertrauenswürdig wahrgenommen wird.
Häufige Fragen zur assistierten Telemedizin
Was ist assistierte Telemedizin in der Apotheke?
Dabei nehmen Patientinnen und Patienten in der Apotheke an einer Videosprechstunde mit einer Ärztin oder einem Arzt teil. Das Apothekenteam unterstützt bei Technik und Organisation.
Seit wann ist das Angebot möglich?
Apotheken können assistierte Telemedizin in Deutschland seit dem 1. Juli 2026 anbieten und unter bestimmten Voraussetzungen abrechnen.
Findet die Videosprechstunde im Verkaufsraum statt?
Nein. Für eine vertrauliche Beratung sollte ein separater Raum oder eine schallgedämmte Kabine genutzt werden.
Kann ein Rezept direkt in der Apotheke eingelöst werden?
Wenn im Rahmen der Videosprechstunde ein Rezept ausgestellt wird, kann dieses grundsätzlich direkt vor Ort eingelöst werden, sofern das Arzneimittel verfügbar ist und die rechtlichen Voraussetzungen erfüllt sind.
Ersetzt die Videosprechstunde einen persönlichen Arztbesuch?
Nicht in jedem Fall. Die Ärztin oder der Arzt entscheidet, ob eine telemedizinische Behandlung ausreicht oder eine persönliche Untersuchung notwendig ist.
Quellen
[1] ABDA — DAV beschließt Rahmenvertrag zu assistierter Telemedizin (2026) — https://www.abda.de/aktuelles-und-presse/newsroom/detail/dav-beschliesst-rahmenvertrag-zu-assistierter-telemedizin
[2] Apotheken Umschau — Videosprechstunde in der Apotheke ab Juli 2026 möglich (2026) — https://www.apotheken-umschau.de/gesundheitspolitik/videosprechstunde-in-der-apotheke-ab-juli-2026-moeglich-1522831.html





